Hotelresorts im Sinai, Ägypten 2002-05
C-Prints, je 70 x 84 cm und 129 x 150 cm
Von ihrer beabsichtigten Pracht zeugen allein noch die verheißungsvollen Namen „Sultan’s Palace“, „Sunestra“ oder „Magic Life Imperial“, Bezeichnungen, die Urlaubsglück mit orientalischem Flair suggerieren. Haubitz+Zoche haben diese Investitionsruinen isoliert als Bauskulpturen vor dem Hintergrund einer menschenleeren Berg- und Wüstenlandschaft abgebildet. Die streng komponierten Fotografien lassen die Bauwerke wie Architekturmodelle erscheinen, deren purifizierte, von allem Dekor befreite Formensprache die funktionale Planung sichtbar macht. Der globale Massentourismus findet in diesem Formenschatz der Weltarchitektur, der von der chinesischen Pagode, dem antiken Tempel bis zur europäischen Moderne reicht, seine Entsprechung.
Diese „nationalen“ Architekturzitate – in vielen Fällen auf der Welt auch längst in reale Bauten umgesetzt – bieten so etwas wie eine vorübergehende Heimat und Identität für den durchreisenden Bade- und Kulturtouristen. In dem fotografisch festgehaltenen unfertigen Zwischenzustand der Hotelanlagen sind die Mechanismen der Inszenierung von touristischen Traumwelten deutlich ablesbar.„Sinai Hotels“ steht exemplarisch für eine Entwicklung des Tourismus, bei der die Reiseziele eine fast willkürliche Austauschbarkeit bekommen und eine gewachsene räumliche Signifikanz einbüßen.
© Dr. Ulrich Pohlmann (Auszug aus dem Pressetext, Sinai Hotels, Fotomuseum des Münchner Stadtmuseums, 2006)
Das Buch Sinai Hotels mit Texten von Stephan Berg, Ulrich Pohlmann und Michael Zinganel ist beim Verlag Fotohof Salzburg erschienen. (96 Seiten, 45 farbige Abb., ISBN: 3-901756-64-7) Haubitz+Zoche